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Projekt-Governance nach Müller: Sponsor und Lenkungsausschuss

Veröffentlicht 2026-07-02 · Die Forschung hinter Project-simulator

Ein Projekt kann eine fähige Projektleitung und ein kompetentes Team haben und trotzdem scheitern — weil oberhalb des Projekts niemand Verantwortung übernimmt. Der Sponsor lässt sich nie blicken, der Lenkungsausschuss ist eher Informationsempfänger als Entscheider, und die großen Weichenstellungen trifft am Ende niemand. Genau darum geht es in der Forschung zur Projektsteuerung, oft Projekt-Governance genannt.

Ralf Müller, Professor für Projektmanagement und einer der meistpublizierten Forscher des Fachs, hat den Wissensstand 2009 im Buch Project Governance zusammengefasst. Es beschreibt den Rahmen oberhalb des Projekts: die Rollen, Mandate und Entscheidungspunkte, die darüber bestimmen, ob eine Organisation ihre Projekte steuert oder nur auf sie hofft. Für Sie als Projektleiterin oder Projektleiter ist das wertvolles Wissen — nicht weil Ihnen dieser Rahmen gehört, sondern weil Sie meist als Erste merken, wenn er fehlt.

Was sagt die Forschung?

Müller beschreibt Projekt-Governance als den Rahmen aus Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswegen, der das Projekt mit den Zielen der Organisation verbindet. Gute Governance ruht ihm zufolge auf einigen tragenden Elementen. Das erste ist ein aktiver Sponsor beziehungsweise Auftraggeber — eine Person mit echtem Mandat, die den Geschäftsnutzen verantwortet, Hindernisse aus dem Weg räumt und über die gesamte Strecke präsent ist, nicht nur bei Start und Ziel.

Das zweite ist eine funktionierende Entscheidungsinstanz, oft ein Lenkungsausschuss, die an klaren Entscheidungspunkten zwischen den Projektphasen die entscheidenden Beschlüsse fasst: weitermachen, die Richtung ändern oder abbrechen. Ein Lenkungsausschuss, der nur Statusberichte anhört, erfüllt seine Funktion nicht — seine Aufgabe ist es zu entscheiden, und ein Projekt zu stoppen, das sich nicht mehr trägt, ist eine der wichtigsten und am meisten vernachlässigten Entscheidungen der Governance.

Das dritte betrifft die Rolle der Projektleitung dabei: vorbereiten und vortragen. Die Projektleitung erstellt die Entscheidungsgrundlagen, berichtet ehrlich über die Lage und gibt eine klare Empfehlung ab — stimmt aber nicht mit ab und trifft nicht die geschäftlichen Entscheidungen. Diese Ordnung ist keine Degradierung, sondern ein Schutz: Wenn die Rollen sauber getrennt sind, kann die Projektleitung offen über Probleme sprechen, ohne zugleich in eigener Sache zu Gericht zu sitzen.

Was bedeutet das für Sie als Projektleiterin oder Projektleiter?

Bestehen Sie auf einem echten Sponsor. Wenn Ihr Sponsor keine Zeit, kein Mandat oder kein Interesse hat, ist das ein Projektrisiko erster Ordnung — behandeln Sie es auch so. Bitten Sie um regelmäßige Abstimmungen und machen Sie deutlich, was Sie brauchen: Entscheidungen, Priorisierungen und Rückendeckung in der Organisation.

Bereiten Sie Entscheidungen vor, nicht nur Informationen. Vor jeder Sitzung des Lenkungsausschusses: Formulieren Sie, welche Entscheidungen Sie brauchen, liefern Sie eine kurze, ehrliche Vorlage mit Optionen und geben Sie eine klare Empfehlung ab. Ein Lenkungsausschuss, der echte Entscheidungsfragen mit klaren Optionen vorgelegt bekommt, beginnt sich auch wie ein Entscheidungsgremium zu verhalten — und Sie bekommen die Weichenstellungen, die Sie zum Weiterkommen brauchen.

Legen Sie die Go-oder-Stopp-Entscheidung dorthin, wo sie hingehört. Wenn sich die Grundlagen des Projekts grundlegend ändern, muss der Lenkungsausschuss darüber befinden, ob das Projekt weiterläuft. Ihre Aufgabe ist es, die Frage rechtzeitig auf den Tisch zu bringen und ehrlich zu beleuchten — nicht, sie im Stillen selbst zu entscheiden.

So trainieren Sie das

Einem Lenkungsausschuss eine unbequeme Lage vortragen, einen Stopp empfehlen, den niemand hören will, oder den eigenen Sponsor um mehr Engagement bitten — das sind Gespräche, in denen Tonfall und Formulierung über das Ergebnis entscheiden. Im Project-simulator üben Sie Lenkungsausschuss- und Sponsorengespräche mit KI-Gegenübern in einer geschützten Simulationsumgebung und erhalten evidenzbasiertes Feedback zu Ihren eigenen Worten. Sie können eine Woche lang kostenlos testen.

Möchten Sie das in der Praxis üben?

In Project-simulator üben Sie diese Gespräche mit einem KI-Gegenüber und erhalten Feedback, das auf Forschung wie dieser beruht.

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Quelle: Müller, R. (2009). Project Governance. Gower Publishing.