Risikomanagement in Projekten – Hillsons aktiver Risikozyklus
In vielen Projekten gibt es eine Risikoliste, die beim Projektstart angelegt wurde, zehn Zeilen bekam — und danach nie wieder geöffnet wurde. David Hillson, einer der weltweit bekanntesten Risikoforscher und Berater im Projekt-Risikomanagement, hat seine Karriere der Erklärung gewidmet, warum das nicht reicht. In seinem Buch Managing Risk in Projects fasst er zusammen, was Risikomanagement wirklich ist: keine Liste, sondern ein aktiver Zyklus.
Hillsons Ansatz hat internationale Standards auf diesem Gebiet geprägt und ist überraschend praxisnah. Es geht darum, Unsicherheit beherrschbar zu machen — bevor sie zum Problem werden kann. Für Projektleiterinnen und Projektleiter ist das eine gute Nachricht: Risikomanagement erfordert keine höhere Mathematik, sondern nur eine strukturierte Arbeitsweise, die tatsächlich umgesetzt und über das gesamte Projekt hinweg am Leben gehalten wird.
Was sagt die Forschung?
Hillsons Definition von Risiko ist prägnant: Risiko ist Unsicherheit, die zählt. Alles in einem Projekt ist unsicher, aber nur die Unsicherheit, die die Projektziele beeinflussen kann, verdient Ihre Aufmerksamkeit. Die Definition umfasst zudem zwei Arten von Risiko: Bedrohungen, die den Zielen schaden können, und Chancen, die ihnen nützen können. Nur Bedrohungen zu jagen heißt laut Hillson, die halbe Arbeit zu machen.
Das Management selbst beschreibt er als wiederkehrenden Zyklus. Zuerst werden die Risiken identifiziert — was kann passieren, das die Ziele beeinflusst? Dann wird jedes Risiko nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung bewertet, damit die wichtigsten oben stehen. Anschließend wird für jedes bedeutende Risiko eine bewusste Antwort gewählt: es vermeiden, es verringern, es auf eine andere Partei übertragen oder es mit offenen Augen akzeptieren. Für Chancen gibt es Spiegelbilder, etwa sie zu verstärken oder zu nutzen.
Der entscheidende letzte Schritt ist das Nachhalten. Jede Antwort braucht einen Verantwortlichen und einen Termin, und der Zyklus muss in regelmäßigen Abständen erneut durchlaufen werden, denn alte Risiken sterben und neue entstehen im Laufe des Projekts. Eine Risikobewertung ohne Verantwortliche, Termine und Nachverfolgung ist laut Hillson bloß Dokumentation — kein Risikomanagement. Der Unterschied zwischen beiden zeigt sich selten in den Dokumenten, aber immer darin, wie das Projekt zurechtkommt, wenn etwas Unerwartetes passiert.
Was bedeutet das für Sie als Projektleiterin oder Projektleiter?
Geben Sie jedem Risiko einen Verantwortlichen und ein Datum. Wenn der Risikoworkshop endet, darf keine Maßnahme in der Luft hängen. 'Wir sollten den Lieferanten im Auge behalten' ist keine Maßnahme — 'Anna stimmt den Lieferplan bis Freitag mit dem Lieferanten ab' schon.
Priorisieren Sie nach Wahrscheinlichkeit und Auswirkung — und trauen Sie sich zu streichen. Eine Liste mit dreißig unbewerteten Risiken schützt niemanden. Bewerten, sortieren und konzentrieren Sie die Kraft auf die Handvoll Risiken, die das Projekt tatsächlich zum Scheitern bringen können. Den Rest beobachten Sie mit leichter Hand — und streichen ihn mit gutem Gewissen, wenn er nicht mehr aktuell ist.
Setzen Sie die Risiken auf die Agenda, jedes Mal. Ein fester Punkt im Projektmeeting — welche Risiken haben sich verändert, welche sind neu, welche können wir schließen? — kostet zehn Minuten und macht den Unterschied zwischen einem lebendigen Zyklus und einer toten Liste. Vergessen Sie nicht, auch nach Chancen zu fragen.
So trainieren Sie das
Risikomanagement findet zu großen Teilen in Gesprächen statt: einen Risikoworkshop leiten, in dem sich alle zu Wort trauen, eine widerwillige Linienführungskraft dazu bringen, Verantwortung für eine Maßnahme zu übernehmen, oder dem Lenkungsausschuss von einem gewachsenen Risiko berichten — ohne zu beschönigen und ohne Panik zu verbreiten. In Project-simulator üben Sie diese Gespräche mit KI-Gegenübern in einer sicheren Simulatorumgebung, mit evidenzbasiertem Feedback, das auf Ihre eigenen Formulierungen verweist. Sie können es eine Woche lang kostenlos ausprobieren.
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