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Double-Loop-Lernen: wenn gute Profis aufhören zu lernen

Veröffentlicht 2026-07-02 · Die Forschung hinter Project-simulator

Hier ist ein unbequemes Paradox: Die bestausgebildeten und erfolgreichsten Menschen in einer Organisation sind oft diejenigen, denen es am schwersten fällt, aus ihren Fehlern zu lernen. Nicht weil sie dumm wären – sondern weil sie so selten scheitern, dass sie es nie üben mussten.

Das war der Kern des klassischen Artikels "Teaching Smart People How to Learn" des Harvard-Professors Chris Argyris, erschienen 1991 im Harvard Business Review. Seine Schlussfolgerung ist zu einem Grundbegriff des Lernens im Arbeitsleben geworden: die Unterscheidung zwischen Single-Loop- und Double-Loop-Lernen.

Was sagt die Forschung?

Argyris unterschied zwei Arten des Lernens. Single-Loop-Lernen bedeutet, einen Fehler zu korrigieren, ohne die eigenen Grundannahmen zu hinterfragen – wie ein Thermostat, der die Heizung einschaltet, wenn es kalt wird. Double-Loop-Lernen bedeutet, auch die Annahmen hinter dem eigenen Handeln zu prüfen: Warum habe ich den Thermostat auf genau diese Temperatur eingestellt? Im Arbeitsleben: Warum habe ich das Problem auf diese Weise gelöst, und was sagt das darüber, wie ich die Situation sehe?

Seine Beobachtung, gestützt auf viele Jahre Forschung mit Beratern und Führungskräften, war, dass fähige Profis fast immer in der einfachen Schleife bleiben. Wenn etwas schiefgeht, richten sie den Blick nach außen: Der Kunde war unklar, das Management setzte die falschen Rahmenbedingungen, das Team hat nicht geliefert. Argyris nannte dieses Muster defensives Denken – eine Art, sich vor dem Gefühl des Scheiterns zu schützen. Und je erfolgreicher jemand war, desto stärker wird diese Abwehr, weil die eigene Identität darauf beruht, derjenige zu sein, der es kann.

Das Tückische daran: Defensives Denken fühlt sich von innen wie rationale Analyse an. Die Person hat das Gefühl, dem Problem auf den Grund zu gehen – untersucht aber nie den eigenen Anteil daran. So wiederholt sich dasselbe Muster im nächsten Projekt, und die "Lessons Learned" der Organisation werden zu einer Liste dessen, was alle anderen ändern sollten.

Was bedeutet das für Sie als Projektleiter?

Wenn ein Projekt hakt, achten Sie auf Ihre erste Erklärung. Handelt sie ausschließlich von anderen – vom Auftraggeber, vom Lieferanten, vom Team? Das kann stimmen, aber trainieren Sie sich an, immer die Anschlussfrage zu stellen: Was in meinem eigenen Handeln hat das wahrscheinlicher gemacht? Vielleicht haben Sie unklare Anforderungen abgenickt, um einer unangenehmen Diskussion aus dem Weg zu gehen. Diese Frage ist der Eingang zur doppelten Schleife – und sie kostet nur einen Moment Unbehagen.

In Retrospektiven und Lessons-Learned-Runden: Gehen Sie mit dem eigenen Beispiel voran. Sagt die Projektleitung "eine Sache, die ich selbst anders hätte machen sollen, ist...", wird es für andere sicher, dasselbe zu tun. Sagt die Projektleitung nur, was das Umfeld ändern sollte, lernt die Gruppe, sich zu schützen.

Achten Sie auch auf Ihre kompetentesten Mitarbeiter. Argyris' Punkt gilt für sie ganz besonders: Der Senior, der nie Kritik bekommt, ist womöglich am schlechtesten darauf vorbereitet, sie anzunehmen. Geben Sie Feedback, das auf Verhalten und Annahmen zielt, nicht auf die Kompetenz der Person.

So trainieren Sie das

Double-Loop-Lernen braucht jemanden, der einen Spiegel vorhält – und genug Sicherheit, um hineinzuschauen. Im Project-simulator üben Sie schwierige Gespräche mit KI-Gegenübern, und danach bekommen Sie eine Auswertung, die genau zeigt, was Sie gesagt haben, und fragt, was Sie in dem Moment angenommen haben. Kein Prestigeschutz nötig, denn es steht nichts auf dem Spiel. Eine Woche kostenlos testen auf project-simulator.com.

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Quelle: Argyris, C. (1991). Teaching Smart People How to Learn. Harvard Business Review, 69(3).