Funktioniert agil? Die Studie mit über tausend Projekten
Die Debatte über agile Arbeitsweisen wird oft mit Anekdoten geführt: Der eine hat erlebt, wie Scrum ein Projekt gerettet hat, die andere hat gesehen, wie es in Meetings ohne Plan ausartete. 2015 steuerten die Forscher Pedro Serrador und Jeffrey Pinto etwas bei, das lange gefehlt hatte — Zahlen in großem Maßstab. Ihre Studie 'Does Agile Work?' erschien in der Fachzeitschrift International Journal of Project Management.
Die Studie ist eine der meistzitierten quantitativen Untersuchungen agiler Methoden, und ihre Antwort ist differenzierter als die der Enthusiasten wie der Skeptiker. Sie ist deshalb ein guter Ausgangspunkt für alle, die ihre Wahl der Arbeitsweise auf Evidenz stützen wollen statt auf Glauben, Tradition oder das, was gerade populär ist.
Was sagt die Forschung?
Serrador und Pinto analysierten Daten aus über tausend Projekten verschiedener Branchen und Länder. Statt die Projekte in 'agil' und 'traditionell' einzuteilen, maßen sie den Grad der Agilität — welcher Anteil der Arbeit iterativ ablief — und setzten ihn in Bezug zu den Projektergebnissen. Erfolg wurde auf zwei Arten gemessen: zum einen als Effizienz, also wie gut das Projekt Zeit, Budget und Umfang einhielt, zum anderen als breiterer Erfolg in Form zufriedener Stakeholder und erreichter Geschäftsziele.
Das Ergebnis: Ein höherer Grad an agilen, iterativen Arbeitsweisen zeigte einen statistisch signifikanten positiven Zusammenhang mit beiden Erfolgsmaßen. Das galt nicht nur für Softwareprojekte, sondern über mehrere Branchen hinweg. Mit anderen Worten — in diesem großen Datensatz liefen Projekte, die iterativer arbeiteten, im Durchschnitt besser.
Doch die Forscher achten genau auf die Nuancen. Ein Zusammenhang ist kein Rezept: Die Studie beweist nicht, dass agil überall passt, und sie behauptet nicht, dass Planung überflüssig wäre. Wie gut die Methode funktioniert, hängt vom Kontext ab — unter anderem davon, welche Art von Anforderungen das Projekt hat und wie klar das Zielbild ist. Die eigentliche Schlussfolgerung lautet: Die Wahl der Arbeitsweise ist eine echte Entscheidung mit echten Konsequenzen, die bewusst getroffen werden sollte statt aus Gewohnheit.
Was bedeutet das für Sie als Projektleitung?
Wählen Sie die Arbeitsweise nach den Rahmenbedingungen, nicht nach der Mode. Sind die Anforderungen unsicher und ist Lernen unterwegs wichtig, spricht die Evidenz für mehr iterative Elemente. Sind die Anforderungen stabil und die Abhängigkeiten hart, kann ein traditionellerer Plan richtig sein. Die Wahl begründen zu können — gegenüber dem Team, dem Auftraggeber und sich selbst — gehört zur Profession, egal bei welcher Arbeitsweise Sie landen.
Trauen Sie sich zu mischen. Die Studie maß den Grad der Agilität, nicht die Reinheit der Methode. Ein hybrider Ansatz — etwa iterative Entwicklung innerhalb eines übergeordneten Phasenplans — ist völlig legitim, solange er durchdacht und kommuniziert ist.
Verankern Sie die Wahl bei Auftraggeber und Lenkungsausschuss. Eine agile Arbeitsweise verändert, was ein Lenkungsausschuss an Berichterstattung und Entscheidungspunkten erwarten kann. Dieses Gespräch muss früh geführt werden — nicht erst, wenn die erste Lieferung anders aussieht als ein traditioneller Zeitplan und die Überraschung bereits in Ärger umgeschlagen ist.
So trainieren Sie das
Die Wahl einer Arbeitsweise vor einem skeptischen Auftraggeber zu erklären und zu verteidigen — oder vor einem Team, das an etwas anderes gewöhnt ist — ist ein Gespräch, dem viele Projektleitungen unvorbereitet begegnen, obwohl die Argumente in der Forschung liegen. Im Project-simulator üben Sie genau das — und andere schwierige Projektgespräche — mit KI-Gegenübern in einer sicheren Simulationsumgebung, mit evidenzbasiertem Feedback, das auf Ihre eigenen Formulierungen verweist. Sie können es eine Woche lang kostenlos ausprobieren.
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