Mendelow-Matrix: Stakeholder richtig priorisieren
Sie haben die Stakeholder Ihres Projekts erfasst, und die Liste ist lang geworden — vielleicht zwanzig Namen. Allen dieselbe Aufmerksamkeit zu schenken ist unmöglich, und nach Bauchgefühl auszuwählen ist riskant. Bereits 1981 schlug der Forscher Aubrey Mendelow eine Priorisierungsmethode vor, die so einfach ist, dass sie bis heute überall verwendet wird: Sortieren Sie die Stakeholder nach Macht und Interesse.
Das Modell wurde in einem Konferenzbeitrag darüber vorgestellt, wie Organisationen ihr Umfeld beobachten, doch seinen großen Durchbruch hat es in der Projekt- und Strategiearbeit erlebt. Es wird meist Macht-Interessen-Matrix genannt und verwandelt eine unübersichtliche Namensliste in einen klaren Plan dafür, wer was von Ihnen braucht.
Was sagt die Forschung?
Mendelows Ausgangspunkt ist, dass sich Stakeholder in zwei entscheidenden Punkten unterscheiden. Der erste ist Macht: Wie groß ist ihre Fähigkeit, Einfluss zu nehmen — können sie stoppen, verzögern oder verändern, was Sie tun? Der zweite ist Interesse: Wie sehr kümmert es sie, wie wahrscheinlich ist es, dass sie sich tatsächlich einbringen? Bewertet man jeden Stakeholder auf beiden Dimensionen, ergeben sich vier Gruppen, und jede Gruppe rechtfertigt einen eigenen Umgang.
Stakeholder mit viel Macht und großem Interesse sind Ihre Schlüsselspieler — mit ihnen müssen Sie eng zusammenarbeiten und sie in Entscheidungen einbeziehen. Wer viel Macht, aber wenig Interesse hat, soll zufriedengestellt werden: Die Details interessieren diese Personen nicht, aber wenn sie unzufrieden werden, können sie große Probleme verursachen. Wer wenig Einfluss, aber großes Interesse hat, soll informiert gehalten werden — das sind oft Ihre besten Botschafter. Und bei denen mit wenig Macht und wenig Interesse genügt es, sie mit minimalem Aufwand im Blick zu behalten.
Eine wichtige Nuance, die Mendelow selbst ansprach: Das Bild ist nicht statisch. Macht und Interesse verändern sich — ein stiller Stakeholder kann aufwachen, sobald die Veränderung spürbar wird, und eine Umstrukturierung kann Macht über Nacht verschieben. Die Matrix ist deshalb verderbliche Ware, die aktualisiert werden muss, keine einmalige Übung.
Was bedeutet das für Sie als Projektleitung?
Differenzieren Sie Ihre Kommunikation. Ein häufiger Fehler ist, allen denselben Statusbericht zu schicken. Mit der Matrix als Grundlage können Sie stattdessen den Schlüsselspielern Dialog und Mitwirkung bieten, den Mächtigen ohne Interesse kurze, beruhigende Abstimmungen und den Engagierten ohne formale Macht regelmäßige, ehrliche Information.
Investieren Sie Ihre Zeit dort, wo das Risiko liegt. Die Person mit viel Macht und wenig Interesse steht oft im gefährlichsten Feld der Matrix — im Alltag ist sie unsichtbar, aber sie kann das Projekt an einem einzigen Entscheidungspunkt zu Fall bringen. Vereinbaren Sie diese Termine, bevor Sie sie brauchen — eine kurze Abstimmung in ruhigen Zeiten ist eine günstige Versicherung gegen ein Nein im Ernstfall.
Aktualisieren Sie bei jedem Phasenwechsel. Gehen Sie die Matrix durch, wenn das Projekt in eine neue Phase eintritt oder sich die Organisation verändert. Fragen Sie sich: Wer hat sich seit dem letzten Mal bewegt, wer ist neu auf der Karte, und was bedeutet das für meinen Kommunikationsplan? Zehn Minuten reichen oft, um das Wichtigste zu erfassen.
So trainieren Sie das
Die Matrix sagt Ihnen, mit wem Sie sprechen sollten — aber nicht, wie das Gespräch verlaufen soll. Eine mächtige, aber desinteressierte Führungskraft zufriedenzustellen oder einer engagierten Kritikerin zu begegnen, sind Fähigkeiten, die Übung erfordern. Im Project-simulator trainieren Sie solche Stakeholder-Gespräche mit KI-Gegenübern in einer sicheren Simulatorumgebung und erhalten evidenzbasiertes Feedback zu Ihren eigenen Formulierungen. Sie können es eine Woche lang kostenlos ausprobieren.
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