Emotionale Intelligenz im Projekt – Golemans Idee
Zwei Projektleiter mit derselben Ausbildung und demselben Werkzeugkasten können völlig unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Der eine gewinnt ein skeptisches Team für sich, der andere verrennt sich in Konflikten. Der Unterschied liegt selten in Gantt-Diagrammen oder Risikomatrizen – er liegt in der Fähigkeit, Gefühle zu lesen und mit ihnen umzugehen, den eigenen wie denen anderer.
1995 veröffentlichte der Wissenschaftsjournalist und Psychologe Daniel Goleman das Buch Emotional Intelligence, das den Begriff der emotionalen Intelligenz weltberühmt machte. Der Forschungsbegriff selbst war einige Jahre zuvor von den Psychologen Peter Salovey und John Mayer geprägt worden, aber es war Golemans Buch, das ihn aus den Fachzeitschriften in die Arbeitswelt brachte.
Was sagt die Forschung?
Golemans Kernthese lautet: Die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu erkennen und zu regulieren und die Gefühle anderer wahrzunehmen, sagt voraus, wie gut wir mit anderen Menschen zurechtkommen – über das hinaus, was reine Denkfähigkeit (das, was IQ-Tests messen) erklärt. Er beschreibt mehrere Teilfähigkeiten: Selbstwahrnehmung (zu bemerken, was man fühlt, während es geschieht), Selbstregulierung (Impulse zu steuern, statt von ihnen gesteuert zu werden), Motivation, Empathie und soziale Kompetenz.
Eine wichtige Einschränkung: Spätere Forschung hat gezeigt, dass emotionale Intelligenz eine Rolle dafür spielt, wie wir in Beziehungen und in der Zusammenarbeit funktionieren – aber sie ersetzt weder Kompetenz noch Begabung, sie ergänzt sie. Manche populären Behauptungen, etwa dass emotionale Intelligenz den Großteil allen Erfolgs erkläre, sind nicht belegt. Die vorsichtige Schlussfolgerung reicht für eine Projektleiterin oder einen Projektleiter jedoch völlig aus: In Berufen, in denen es darum geht, Menschen zur Zusammenarbeit zu bewegen, wiegen die emotionalen Fähigkeiten schwer.
Goleman hebt auch etwas Hoffnungsvolles hervor: Anders als der IQ, der vergleichsweise stabil ist, lassen sich emotionale Fähigkeiten ein Leben lang weiterentwickeln. Sie sind eben Fähigkeiten – und Fähigkeiten lassen sich trainieren, vorausgesetzt, man wird sich der eigenen Reaktionen bewusst und übt in Situationen, in denen sie tatsächlich ausgelöst werden.
Was bedeutet das für Sie als Projektleiter?
Beginnen Sie mit der Selbstwahrnehmung. Vor einem schwierigen Gespräch – eine Verzögerung muss dem Lenkungsausschuss präsentiert werden, ein Teammitglied bleibt hinter den Erwartungen zurück – achten Sie zuerst auf Ihr eigenes Gefühl. Gereizt? Besorgt? Wer in ein Gespräch geht, ohne zu wissen, was er selbst fühlt, lässt das Gefühl heimlich das Steuer übernehmen: Der Ton wird schärfer als beabsichtigt, oder die Botschaft wird so verpackt, dass sie verschwindet.
Trainieren Sie dann die Pause zwischen Impuls und Handlung. Wenn ein Stakeholder in einem Meeting zum Angriff übergeht, ist die natürliche Reaktion, sich sofort zu verteidigen. Selbstregulierung heißt nicht, das Gefühl zu unterdrücken, sondern sich eine Sekunde zu verschaffen, um die Antwort zu wählen: "Ich höre, dass Sie frustriert sind – erzählen Sie mir, was Sie am meisten beunruhigt."
Und nutzen Sie Empathie diagnostisch. Hinter einem "schwierigen" Auftraggeber steckt fast immer eine Sorge: Budgetverantwortung, Prestige, die Angst, übergangen zu werden. Wer als Projektleiter die Sorge erkennt, kann ihr begegnen; wer nur die Schwierigkeit sieht, landet im Grabenkrieg. Eine einfache Frage – "was ist Ihnen hier am wichtigsten?" – öffnet oft mehr als zehn Argumente.
So trainieren Sie das
Gefühle lassen sich nicht in der Theorie üben – sie müssen ausgelöst werden, um bewältigt werden zu können. Die Szenarien von Project-simulator sind darauf ausgelegt, echte Reaktionen hervorzurufen: Das Gegenüber wird defensiv, unterbricht Sie oder setzt Sie unter Druck. Danach sehen Sie in Ihrem eigenen Wortlaut, wo Sie sich gut reguliert haben und wo der Impuls die Oberhand gewann. Testen Sie es eine Woche kostenlos auf project-simulator.com.
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